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Kentridge, William

Republik Südafrika

* 28. April 1955 Johannesburg

William Kentridge wurde in Johannesburg als Sohn jüdischer Anti-Apartheid-Anwälte geboren; sein Werk ist untrennbar mit der Brutalität des südafrikanischen Apartheid-Regimes, aber auch mit Kolonialismus, Gewalt und Flucht verbunden. Seine Werke lassen sich nicht auf ein einziges Genre reduzieren; vielmehr bewegt sich der Künstler zwischen Grafik, Film, Skulptur, Theater und Oper.

Kentridge erfand mit der Technik des Ausradierens eine völlig eigene Art des Animationsfilms. Dabei nutzt er ein einziges Blatt Papier und eine Kohlezeichnung, die er durch Wischen oder Radieren minimal verändert und Bild für Bild neu fotografiert. Auf der Leinwand bleibt so jede frühere Phase als grauer, geisterhafter Schatten sichtbar.

Aus Zeichnen, Radieren und Überzeichnen entwickelten sich im Laufe der Jahre wiederkehrende Motive, die Kentridge Glyphs nennt und die er zu einer Art visuellem Alphabet zusammensetzt. So wird das Megaphon zu einem Symbol staatlicher Propaganda und des lauten Protests auf der Straße, die Prozession von Menschen steht für Flucht, Vertreibung und den Lauf der Geschichte.

Auch die Skulpturen sind für ihn nichts anderes als Bronze-Glyphs, dreidimensionale Wörter, die sich zu immer neuen Sätzen kombinieren lassen. Es sind diese wiederkehrenden Glyphs, die das vielschichtige Werke dieses Künstlers in einer einzigen, medienübergreifenden Sprache zusammenhalten.