Wir sind wieder da
Australiens unberührtes Naturparadies
Tasmanien gilt als Australiens unberührtes Naturparadies. Fast 40 Prozent der Inselfläche sind als Nationalparks ausgewiesen und somit vor kommerzieller Nutzung geschützt. Die Insel ist eines der letzten Refugien für endemische Tiere und Pflanzen, von den seltenen Tasmanischen Teufeln bis hin zu uralten Regenwäldern, von denen einige über 60 Millionen Jahre alt sind.
Unser erstes Ziel ist gleich ein Phänomen der Natur: In Eaglehawk Neck befindet sich das Tessellated Pavement, ein regelmäßiges Steinmuster am Strand, das aussieht wie gefliest. Etwas später stehen wir vor der Port Arthur Historic Site, ehemals eine berüchtigte Strafkolonie und seit 2010 UNESCO-Welterbe. Für eine ausführliche Führung haben wir keine Zeit, außerdem sind wir keine Fans von gruseligen Gefängnissen. Da besuchen wir lieber den ersten Nationalpark: Das Tasman Blowhole und der Tasman Arch im Tasman Nationalpark vermitteln uns einen ersten Eindruck von den Naturwundern der Insel. Wir übernachten in Orford, einer kleinen Stadt an der Ostküste.
In Swansea genießen wir einen Cappuccino im Artifact Cafe; wir hatten fast vergessen, wie hervorragend der australische Kaffee schmeckt. Wenig später halten wir bei Devil’s Corner, einem von rund 200 Weingütern Tasmaniens, die überwiegend internationale Premiumweine erzeugen. Am Nachmittag erkunden wir den Freycinet Nationalpark und wandern hinauf zum Wineglass Bay Lookout; von oben hat man einen großartigen Blick auf die Bucht, die die Form eines Weinglases mit Stiel hat. Anschließend laufen wir um den Leuchtturm von Cape Tourville herum und bestaunen das Blowhole in Bicheno, aus dem meterhohe Wasserfontänen schießen. Heute Abend übernachten wir in St. Helens, dem Touristenzentrum im Nordosten der Insel.
Der dritte Tag ist der Bay of Fires gewidmet; orange-rote Klippen säumen die Küste, hinter denen die Tasmanische See an den Strand brandet. Gegen Mittag verlassen wir die Ostküste und fahren Richtung Westen. In der Pyengena Dairy genießen wir – ganz nach britischer Tradition – Devonshire Tea mit Scones und Clotted Cream. Der Weg zu den Columba Falls, Tasmaniens zweithöchstem Wasserfall, führt uns durch einen Regenwald mit unzähligen Baumfarnen, die größer sind als alle Farne, die wir bisher gesehen haben.
Wir passieren Legerwood mit seinen aus alten Baumstümpfen geschnitzten Figuren und Scottsdale und erreichen schließlich Launceston, Tasmaniens zweitgrößte Stadt. Hier ist die Cataract Gorge besonders sehenswert, ebenso wie der City Park, in dem eine Gruppe Makakenäffchen in einem Gehege lebt.
Das Bergdorf Grindelwald nennt sich selbst das „Schweizer Dorf Tasmaniens“, obwohl das kleine Einkaufszentrum mit seinen zehn Gebäuden recht überschaubar wirkt. In der Notley Fern Gorge führt uns ein Pfad erneut durch einen unberührten, uralten Wald mit unzähligen Farnen und alten Eukalyptusbäumen. Später gönnen wir uns im Blue Berry Barn Cafe in Frankford englischen Tee und Kuchen; schließlich ist Tasmanien für seine hochwertigen Lebensmittel bekannt, und die wollen wir natürlich auch genießen. Unser heutiges Ziel ist Devonport, der wichtigste Fracht- und Passagierhafen der Insel. Die Fähre „Spirit of Tasmania“ verbindet die Stadt täglich mit der Hafenstadt Geelong in der Nähe von Melbourne auf dem australischen Festland.
Die letzte Etappe entlang des Bass Highway an der Nordküste führt uns durch das malerische Städtchen Penguin, wo sich alles um Pinguine dreht, und durch Burnie, wo wir dem Surf Life Saving Club bei einer Seenot-Rettungsübung zusehen. Im Rocky Cape Nationalpark hüpfen Wallabys um unsere Picknickbank, und an den Dip Falls stürzt ein Wasserfall über künstlich aussehende Granitstufen herab.
Wir verbringen die Nacht in einem kleinen Cottage in Stanley am Fuße des mächtigen Vulkanplateaus The Nut. Leider regnet und stürmt es, sodass der Sessellift außer Betrieb ist. An der Penguin Viewing Platform klettern nach Einbruch der Dunkelheit etwa 50 Zwergpinguine an Land – ein beeindruckendes Naturschauspiel, das wir vor zwei Jahren auf Phillip Island bereits erleben durften.

Städte, Natur, Kunst – Viel Spaß beim Stöbern

Durch das Landesinnere nach Hobart
In Stanley verlassen wir die Küste und fahren in südwestlicher Richtung durch das abgelegene Hinterland. Ein absolutes Highlight ist der Tarkine Drive, eine Panoramastraße, die sich durch einen der größten gemäßigten Regenwälder der Südhalbkugel schlängelt. Unser erster Weg durch den dichten Wald endet am Trowutta Arch, einem natürlichen Felsbogen, durch den man in einen tiefgrünen See hinunterblickt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn plötzlich ein Zombie um die Ecke käme – so unheimlich ist die Landschaft mitten im Regenwald.
Nachdem wir die Tayatea Bridge über den Arthur River überquert haben, erreichen wir den Parkplatz für den Lake Chisholm Trail. Erneut wandern wir durch dichten Urwald; auch der in Regen und Nebel gehüllte Lake Chisholm verbreitet eine mystische Atmosphäre. Nach einem letzten Blick vom Sumac Lookout auf die endlose grüne Landschaft führt unsere Reise viele Stunden lang über kurvenreiche Straßen durch fast unberührte Natur bis nach Queenstown. Mit nur 1.800 Einwohnern ist die Bergbaustadt nicht besonders groß, und doch ist sie die einzige Stadt im Umkreis von fast 200 Kilometern.
Am Morgen trinken wir Kaffee im Bahnhof der West Coast Wilderness Railway. Die historische Museumseisenbahn fährt auf einer abenteuerlichen Strecke nach Strahan, dem einzigen Touristenort an der gesamten Westküste. Wir folgen jedoch dem Lyell Highway, steigen zahlreiche Treppen zur Aussichtsplattform der Horsetail Falls hinauf, blicken hinunter auf das gewaltige Loch des Iron Blow mit seinem tiefblauen Wasser, fotografieren die Ruinen des Old Royal Hotels in der Geisterstadt Linda, machen einen Abstecher zu den Nelson Falls und überqueren schließlich die Frenchmans Cap Suspension Bridge, eine Hängebrücke so schmal, dass auf ihr immer nur eine Person zugelassen ist.
Das Mittagessen nehmen wir am Besucherzentrum des Lake St. Clair Nationalparks ein, wo der berühmte Overland Track endet – ein 65 Kilometer langer, mehrtägiger Wanderweg, der durch die Wildnis des Nationalparks verläuft. Wir passieren den geografischen Mittelpunkt Tasmaniens und erreichen am Nachmittag den Mount Field Nationalpark. Hier wachsen einige der höchsten und beeindruckendsten Bäume Australiens, die wir auf dem Tall Trees Walk hautnah erleben können. Die Russell Falls, mitten im Wald gelegen, sind die berühmtesten Wasserfälle auf der Insel.
Auf dem Weg in die Hauptstadt halten wir an der Waterway Raspberry Farm, die hochwertige regionale Produkte verkauft. Im Bonorong Wildlife Sanctuary schließlich werden verletzte Wildtiere versorgt; hier leben Tasmanische Teufel (die leider gerade Mittagsschlaf halten), ein Wombat, ein Ameisenigel, verschiedene Vögel und natürlich jede Menge Kängurus, die sich aus der Hand füttern lassen. Hinter Richmond, das mit seinen historischen Hotels und Häusern wie ein Stück Kolonialgeschichte wirkt, endet unsere Rundreise auf Tasmanien. Die beiden letzten Nächte verbringen wir in Hobart, der mit Abstand größten Stadt der Insel.
Die Innenstadt lässt sich schnell erkunden; das Herzstück der Stadt ist der Salamanca Market, wo jeden Samstag einer der besten Bauernmärkte Australiens stattfindet. Gleich daneben befinden sich das historische Viertel Battery Point, der Hafen und das Parlamentsgebäude. Die größte Attraktion der Stadt und der gesamten Insel ist jedoch das Museum of Old and New Art, kurz MONA, das man stilvoll mit einer Fähre erreicht.
Das 2011 von David Walsh, einem Mathematiker und professionellen Spieler, gegründete Museum gilt als eines der radikalsten Museen der Welt und hat den Tourismus in Tasmanien maßgeblich verändert. Das Gebäude liegt größtenteils unterirdisch, in eine Sandsteinklippe gehauen, und die Besucher wandern nach und nach durch die vier Ebenen der Ausstellung nach unten. Viele Werke sind bewusst schockierend oder emotional aufgeladen und behandeln Themen wie Sex, Tod oder Religion. Manche Besucher empfinden die Kunst als zu abstrakt, sinnlos oder verstörend. Aber auch das ist Teil von David Walshs Konzept: „Man liebt es – oder man hasst es.“ Wir jedenfalls waren begeistert.
Unser Besuch im MONA markiert das Ende unserer Reise nach Tasmanien. Am nächsten Morgen fliegen wir weiter nach Perth, mit einem Zwischenstopp in Sydney. In Westaustralien erwartet uns eine völlig andere Seite des Landes – anders, aber nicht weniger aufregend.

Streckenführung
| Tag/Day | Von/From | Nach/To | Route |
|---|---|---|---|
| 01 | Hobart Airport (HBA) | Orford | 185 km |
| 02 | Orford | St. Helens | 245 km |
| 03 | St. Helens | Launceston | 240 km |
| 04 | Launceston | Devonport | 120 km |
| 05 | Devonport | Stanley | 200 km |
| 06 | Stanley | Queenstown | 375 km |
| 07 | Queenstown | Mount Field | 230 km |
| 08 | Mount Field | Hobart | 115 km |
| 09 | Hobart | Hobart | 000 km |
| 10 | Hobart | Hobart Airport (HBA) | 020 km |
| Total | 1.730 km |
Die Reise in Bildern

Ehemals eine berüchtigte Sträflingskolonie und Welterbe der UNESCO

Das Besondere sind die Granittreppen, die fast künstlich erscheinen

Das grüne Wasserloch, eines der Highlights am Tarkine Drive

Die Hängebrücke ist für maximal (!) eine Person zugelassen

Hier wachsen einige der höchsten und beeindruckendsten Bäume Australiens










































