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Hilgemann, Ewerdt

Deutschland

* 21. Februar 1938 Witten

Der deutsch-niederländische Bildhauer Ewerdt Hilgemann ist vor allem für seine Implosionen bekannt, eine Technik, die er 1984 selbst entwickelte. Er fertigt zunächst geometrisch perfekte Würfel, Quader oder Säulen aus Edelstahl, die innen hohl und luftdicht verschweißt sind. Anschließend entzieht er ihnen mit einer Vakuumpumpe schrittweise die Luft. Der immense äußere Luftdruck presst und faltet die Formen unvorhersehbar, aber formphysikalisch zusammen. Dadurch wirken die Objekte, als seien sie durch gewaltige äußere Kräfte deformiert worden.

Die Beschaffenheit der Skulpturen hängt stark vom Zufall ab und lässt sich nur bedingt steuern. Die endgültige Form ist zwar von Hilgemann geplant; dennoch verläuft jede Implosion einzigartig. Niemand – auch nicht der Künstler selbst – kann die genaue Ausprägung der Verformung vollständig kontrollieren.

Von 1975 bis 1984 arbeitete Hilgemann intensiv in den Marmorsteinbrüchen von Carrara, wo er zeitweise ein eigenes Atelier unterhielt. Während er in dieser Zeit zahlreiche streng geometrische Arbeiten aus Marmor und Granit schuf, ging es ihm schon damals um kontrollierte Deformierung durch Naturkräfte und Zufall. Berühmt wurde 1982 sein Rolling Cube, ein perfekt polierter, riesiger Würfel aus Marmor, den er einen Steinbruchhang hinabrollen ließ. Der Würfel blieb als Form erkennbar, war aber von den Spuren des Sturzes gezeichnet.

In ähnlichen Kunstaktionen ließ Hilgemann 1983 eine Kugel aus Carrara-Marmor mit einem Durchmesser von einem Meter gezielt sprengen und präsentierte die Bruchstücke als Skulpturen. Im gleichen Jahr stieß er auf dem Oost-West Forum in Dordrecht einen geschweißten Stahlkubus vom Dach eines Hochhauses. In beiden Fällen ging es ihm nicht um das fertige Objekt, sondern um den Prozess, wie sich eine bekannte Form unter Krafteinwirkung in Echtzeit verändert.